Einmal knöcheltief durch Legosteine waten, eine Großfamilie von Baby Born betreuen, in einem Parkhaus voller Matchboxautos Regie führen oder mit Playmobil den Wilden Westen und das Leben auf dem Dorfe oder unter der Zirkuskuppel gleichzeitig entdecken, sind die Phantasien der Kinder, glaubt man der Werbung. Doch wenn die Kinder alles haben und inmitten der Berge von Spielzeug sitzen, wird ihnen langweilig. „Mama, was soll ich spielen?“ klingt es dann aus dem Kinderzimmer.

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Mit dem Thema „Spielzeug“ bzw. „spielzeugfreie Zeit“ möchten wir uns mit den Kindern drei Monaten lang beschäftigen. Kann denn Spielzeug Sünde sein (süchtig machen)? Das Spielzeug zum Spielen ist für Kinder sicher wichtig, kann die Kreativität fördern und gehört selbstverständlich zu ihrer Lebenswelt. Eine Überhäufung mit Spielzeug, Konsumgüter und Freizeitangeboten kann aber auch dazu führen, dass Kinder zu wenig Gelegenheit haben, „zu sich zu kommen“, ihre eigenen Bedürfnisse zu spüren, ihre eigenen Ideen und Phantasien zu entwickeln. Das Projekt „spielzeugfreier Kindergarten“ richtet sich nicht gegen Spielzeug. Die Herausnahme des Spielzeugs und der Spielangebote von uns für einen begrenzten Zeitraum ist eine Methode, eine Situation zu schaffen, in denen ihre Kinder Erfahrungen mit ihren Möglichkeiten und Grenzen machen, in der sie sich im geschützten Rahmen unseres Kindergartens „ausprobieren“ können.

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Was hat das Projekt mit Suchtprävention zu tun? Mit dem Projekt „spielzeugfreie Zeit“ geben wir den Kindern einen Zeitraum und einen Spielraum, ihre Möglichkeiten und Grenzen zu erproben. Da in dieser Zeit die Aktivitäten und Situationen konsequent von den Kindern ausgehen, können sie die Funktion bestimmter „Lebenskompetenzen“ (z. B. Umgang mit der Sprache, Beziehungsfähigkeit, verstärkte Wahrnehmung persönlicher Bedürfnisse usw.) als sinnvoll erleben und weiterentwickeln. Dazu gehört es auch, einmal zu erleben, dass nicht alles klappt, dass man Fehler macht, dass man auch einmal Frustrationen aushalten muss, ohne das sie gleich von uns Erwachsenen ausgeglichen werden.

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